Paar sitzt einander zugewandt auf einem Sofa

Vertrauen

„Wir schreiben doch nur“: Wann Fremdgehen eigentlich beginnt

„Wir schreiben doch nur“: Wann Fremdgehen eigentlich beginnt

„Wir schreiben doch nur“: Wann Fremdgehen eigentlich beginnt

Von Ina Henning & David Mayer

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7 Min Lesezeit

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„Wir schreiben doch nur.“

Ein Satz, der erst einmal ziemlich harmlos klingt.

Ihr habt euch über die Arbeit kennengelernt, im Fitnessstudio, über Freunde oder vielleicht irgendwo online. Irgendwann habt ihr angefangen, miteinander zu schreiben. Erst ging es um vollkommen belanglose Dinge. Dann wurden die Gespräche persönlicher. Vielleicht freust du dich inzwischen, wenn eine Nachricht auf deinem Display erscheint. Du erzählst Dinge, die dein Partner nicht weiß. Und du merkst, dass zwischen euch etwas entstanden ist.

Aber passiert ist doch eigentlich noch nichts.

Kein Kuss. Kein Sex. Keine Affäre.

Oder?

Vielleicht ist „Ist das schon Fremdgehen?“ die falsche Frage

Wenn wir über Untreue sprechen, suchen wir häufig nach einer möglichst eindeutigen Grenze. Was ist noch erlaubt und ab wann ist es Fremdgehen?

Ist Flirten okay? Darf ich mit jemand anderem schreiben? Ist es problematisch, wenn wir uns alleine treffen? Und wenn wir uns noch nicht geküsst haben, ist doch eigentlich noch nichts passiert, oder?

Wir finden eine andere Frage viel interessanter:

Warum möchtest du eigentlich nicht, dass dein Partner davon weiß?

Würdest du genauso schreiben, wenn dein Partner direkt neben dir sitzen und mitlesen würde?

Wenn deine Antwort Nein lautet, lohnt es sich hinzuschauen.

Denn Grenzen in Beziehungen werden selten mit einem einzigen großen Schritt überschritten.

Untreue beginnt häufig viel früher

Eine Affäre beginnt nicht zwangsläufig in einem Hotelzimmer.

Sie kann sehr viel früher beginnen. Mit Aufmerksamkeit. Mit Interesse. Mit Leichtigkeit. Mit dem Gefühl, von einem anderen Menschen gesehen zu werden. Vielleicht entsteht ein Kribbeln, vielleicht Neugier oder Begehren.

Und das fühlt sich erst einmal ziemlich gut an.

Also schreibt ihr weiter.

Die Gespräche werden persönlicher. Du erzählst Dinge, die dein Partner nicht weiß. Vielleicht sprichst du mit diesem Menschen inzwischen sogar über deine Beziehung. Du merkst, dass du emotional immer mehr investierst und dass dieser Kontakt eine Bedeutung für dich bekommen hat.

Und trotzdem kannst du dir noch sagen:

„Wir schreiben doch wirklich nur.“

Genau darin liegt die Gefahr.

Denn Grenzen werden häufig schleichend überschritten. Jeder einzelne Schritt fühlt sich noch klein genug an, um ihn vor sich selbst zu rechtfertigen.

„So schlimm ist das doch nicht.“

Und vielleicht stimmt das sogar, wenn du nur diesen einen Moment betrachtest.

Aber die entscheidende Frage ist nicht nur, was heute bereits passiert ist. Sondern auch, wohin du dich gerade bewegst.

Es muss noch kein Kuss gefallen sein

Wir erleben häufig, dass Menschen Untreue vor allem über körperliche oder sexuelle Handlungen definieren.

Solange kein Kuss gefallen ist und niemand miteinander im Bett war, scheint die Grenze noch eindeutig nicht überschritten zu sein.

Beziehungen funktionieren aber nicht nur auf einer körperlichen Ebene.

Du kannst dich emotional an einen anderen Menschen binden. Du kannst intime Gedanken mit ihm teilen. Du kannst beginnen, Dinge vor deinem Partner zu verheimlichen. Du kannst dich fremdverlieben.

Die Grenzen zwischen emotionaler, virtueller, körperlicher und sexueller Untreue können fließend sein.

Deshalb halten wir wenig davon, sich ausschließlich an der Frage festzuhalten:

„Ist das schon Fremdgehen?“

Die viel spannendere Frage lautet:

„Warum möchte ich eigentlich nicht, dass mein Partner davon weiß?“

Heimlichkeit ist ein ziemlich wichtiger Hinweis

Stell dir vor, dein Partner würde heute Abend fragen:

„Mit wem schreibst du da eigentlich die ganze Zeit?“

Wie würdest du reagieren?

Würdest du ganz selbstverständlich erzählen, wer dieser Mensch ist und was zwischen euch passiert? Oder würdest du das Handy weglegen, den Kontakt herunterspielen oder bestimmte Nachrichten lieber nicht zeigen wollen?

Genau an diesem Punkt lohnt sich Ehrlichkeit mit dir selbst.

Denn wenn du merkst, dass du etwas vor deinem Partner schützen möchtest, ist der Kontakt möglicherweise längst nicht mehr so belanglos, wie du ihn dir selbst erklärst.

Vielleicht löschst du noch keine Nachrichten. Vielleicht erfindest du keine Geschichten. Vielleicht hast du auch noch keine konkrete Grenze überschritten, die ihr in eurer Beziehung ausdrücklich vereinbart habt.

Aber vielleicht hat sich etwas verschoben.

Und genau diese Verschiebung sollte man ernst nehmen, bevor mehr passiert.

„So schlimm ist das doch nicht“

Das ist vermutlich einer der bequemsten Gedanken in solchen Situationen.

Und wir können sogar verstehen, warum.

Denn natürlich möchtest du dich nicht sofort als jemand sehen, der gerade die eigene Beziehung gefährdet. Vielleicht hast du überhaupt nicht vor, deinen Partner zu betrügen. Vielleicht liebst du ihn und willst deine Beziehung auf keinen Fall verlieren.

Und gleichzeitig fühlt sich dieser andere Kontakt gut an.

Also sucht unser Kopf nach Erklärungen, warum wir ihn noch ein bisschen weiterlaufen lassen können.

Wir schreiben doch nur.

Wir verstehen uns einfach gut.

Da ist doch noch gar nichts passiert.

Genau deshalb ist es sinnvoll, nicht erst dann hinzuschauen, wenn eine Grenze so deutlich überschritten wurde, dass sie niemand mehr wegdiskutieren kann.

Denn dann ist möglicherweise bereits etwas passiert, das Vertrauen massiv verletzt.

Wenn du dich fremdverliebst, ist das ein Alarmsignal

Vielleicht merkst du irgendwann, dass es längst nicht mehr nur um ein bisschen Aufmerksamkeit geht.

Du denkst an diesen Menschen. Du wartest auf seine Nachrichten. Du möchtest ihn sehen. Vielleicht stellst du dir vor, wie es wäre, ihm näherzukommen.

Dann solltest du dieses Gefühl ernst nehmen.

Nicht erst, wenn daraus eine Affäre geworden ist.

Denn Fremdverlieben ist für uns ein akutes Alarmsignal.

Dann geht es natürlich darum, den Kontakt im Außen anzuschauen und Grenzen zu setzen. Es geht aber auch um eine zweite Frage:

Was finde ich dort gerade, das mir bei mir selbst oder in meiner Beziehung fehlt?

Vielleicht Aufmerksamkeit. Interesse. Leichtigkeit. Begehren. Neugier. Das Gefühl, wieder gesehen zu werden.

Das bedeutet nicht, dass dein Partner für deine Grenzüberschreitung verantwortlich ist.

Es bedeutet aber, dass es sich lohnt zu verstehen, warum dieser Kontakt für dich überhaupt so wichtig werden konnte.

Wartet nicht darauf, bis mehr passiert

Wenn du merkst, dass ein anderer Kontakt für dich mehr geworden ist, schau hin.

Nicht erst nach dem ersten Kuss. Nicht erst, wenn du dich so stark emotional gebunden hast, dass du nicht mehr weißt, wie du aus der Situation herauskommen sollst. Und auch nicht erst dann, wenn dein Partner irgendwann die Nachrichten findet.

Grenzen in einer Beziehung schützen sich nicht von alleine.

Wir müssen darüber sprechen, was Treue für uns überhaupt bedeutet, wo unsere persönlichen Grenzen liegen und was wir tun, wenn wir merken, dass sich etwas verschiebt.

Denn genau dort beginnt für uns aktive Treue.

Nicht erst in dem Moment, in dem du eine Affäre ablehnst.

Sondern viel früher.

In den vielen kleinen Situationen, in denen du entscheidest, wie du mit einem anderen Menschen umgehst, der plötzlich interessant für dich geworden ist.

Und manchmal beginnt das mit einer ziemlich einfachen Frage:

Würde ich mich genauso verhalten, wenn mein Partner direkt neben mir wäre?

Wenn deine Antwort Nein lautet, ist das vielleicht der Moment, in dem du nicht mehr sagen solltest:

„Wir schreiben doch nur.“

Sondern dir ehrlich anschauen solltest, was zwischen euch gerade tatsächlich entsteht.

Wenn ihr merkt, dass Grenzen bereits überschritten wurden

Wenn aus dem Schreiben bereits mehr geworden ist, einer von euch sich fremdverliebt hat oder ihr nicht wisst, wie ihr mit einer Grenzüberschreitung umgehen sollt, müsst ihr damit nicht alleine bleiben.

In unserer Paartherapie begleiten wir Paare genau in diesen Situationen und Themen: wenn Vertrauen ins Wanken geraten ist, Grenzen überschritten wurden oder eine Affäre die Beziehung erschüttert hat.

Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell zu entscheiden, ob ihr zusammenbleiben oder euch trennen solltet. Es geht darum zu verstehen, was passiert ist und wie ihr von hier aus weitergehen könnt.

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Deine Ina & Dein David

Ina Henning und David Mayer im Gespräch

Begleitung für Paare in der Krise

Ihr müsst das nicht allein lösen.

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In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir uns eure Situation an, beantworten eure Fragen und sagen euch ehrlich, was aus unserer Sicht gerade helfen würde. Ihr geht damit keine Verpflichtung ein.

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