Paar sitzt einander zugewandt auf einem Sofa

Affäre

Affäre: Wie können wir danach wieder zueinanderfinden?

Affäre: Wie können wir danach wieder zueinanderfinden?

Affäre: Wie können wir danach wieder zueinanderfinden?

Von Ina Henning & David Mayer

10 Min Lesezeit

Affäre: Wie können wir danach wieder zueinanderfinden?

„Das würde ich niemals verzeihen.“

Diesen Satz hören und lesen wir häufig, wenn es um das Thema Affäre geht.

Solange wir selbst nicht betroffen sind, scheint die Sache ziemlich klar zu sein: Fremdgehen jeglicher Art bedeutet Trennung.

Doch dann passiert es in der eigenen Beziehung. Wie bei fast allen Paaren, mit denen wir arbeiten.

Und plötzlich ist da nicht nur die Verletzung darüber, dass eine Grenze überschritten wurde. Da ist auch die gemeinsame Beziehung. Vielleicht viele gemeinsame Jahre. Und häufig eben auch noch Liebe.

Auf einmal stehen ganz andere Fragen im Raum:

Wie sollen wir jetzt damit umgehen?

Bedeutet das das Ende unserer Beziehung?

Wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Und:

Können wir uns jemals wieder vertrauen?

Eine Affäre gehört zu den komplexesten Krisen, die wir in Beziehungen erleben können. Denn es geht eben nicht einfach nur um zwei Menschen.

Es geht um mehrere Ebenen gleichzeitig: um die Beziehung selbst, um die Verletzungen beider Partner und um die emotionale Präsenz einer dritten Person, die häufig noch lange zwischen dem Paar steht.

Nach dem Auffliegen einer Affäre ist erst einmal alles anders

Kaum jemand, der diese Situation nicht selbst erlebt hat, kann sich vorher wirklich vorstellen, was das Bekanntwerden einer Affäre mit einer Beziehung macht.

Die Gefühle fahren Achterbahn.

Die Frage nach der Affärenperson und danach, was genau passiert ist, bekommt plötzlich eine enorme Bedeutung.

Und alles, was man sich vorher vielleicht vorgenommen hatte – „Wenn mir das passiert, bin ich sofort weg“ – kann auf einmal ganz anders aussehen.

Denn nicht selten liebt die betrogene Person den eigenen Partner oder die eigene Partnerin weiterhin.

Und beide möchten die Beziehung eben doch nicht an dieser Stelle wegwerfen.

Genau an diesem Punkt kommen viele Paare zu uns.

Manche direkt nach dem Auffliegen der Affäre.

Andere erst ein oder zwei Jahre später, nachdem sie lange versucht haben, das Thema selbst irgendwie „aufzuwurschteln“, oder mit Unterstützung, die dann doch nichts gebracht hat.

Die Eifersucht und das Kopfkino sind dann häufig immer noch da.

Das Vertrauen ist auch nicht zurückgekommen.

Und beide haben bereits wahnsinnig viel miteinander geredet. Zu viel.

Nur eben nicht unbedingt über die richtigen Dinge.

Erst einmal geht es nicht nur um das Warum

Natürlich ist eine der wichtigsten Fragen nach einer Affäre:

Warum?

Warum ist das passiert?

Warum hast du diese Grenze überschritten?

Warum hast du nicht vorher mit mir gesprochen?

Aber bevor wir diese Frage sinnvoll bearbeiten können, schauen wir zunächst auf etwas anderes.

Wie geht es beiden gerade emotional?

Wie viel weiß die betrogene Person bereits?

Welche Bilder und Informationen sind schon vorhanden?

Wie lange ist die Affäre bekannt?

Denn je mehr Details eine Person kennt, desto schwieriger kann es werden, das Kopfkino wieder auszuschalten. Das ist dann die eigentliche Arbeit, die wir in unseren Terminen haben.

Und wenn die Emotionen immer wieder so stark hochkochen, dass beide im Gespräch gar nicht mehr wirklich miteinander umgehen können, bringt es wenig, sofort stundenlang nach dem Warum zu suchen.

Deshalb ist für uns zu Beginn vor allem die Emotionsregulation wichtig.

Beide müssen lernen, mit diesem Gefühlschaos aus Wut, Traurigkeit, Scham und Schuld umgehen zu können – gemeinsam, aber auch jeder für sich.

Muss ich wirklich jedes Detail über die Affäre wissen?

Diese Frage beschäftigt sehr viele betrogene Menschen.

Und der Wunsch dahinter ist nachvollziehbar.

Man versucht, über Wissen wieder Kontrolle zu bekommen.

Wann habt ihr euch getroffen?

Was genau ist passiert?

Wie war die andere Person?

Was habt ihr miteinander gemacht?

Nur macht man sich mit manchen Antworten das eigene Leben zusätzlich schwer.

Denn wenn Bilder einmal im Kopf sind, verschwinden sie dort nicht einfach wieder.

Dann beginnt der Vergleich.

Die andere Person ist erfolgreicher.

Jünger.

Hat ein tolleres Auto.

Und aus der eigentlichen Verletzung entsteht zusätzlich die Frage:

Was hatte dieser Mensch, was ich nicht habe? Ich war doch parallel auch da!

Deshalb schauen wir sehr genau hin, welche Informationen für die Verarbeitung notwendig sind und welche Details vor allem neue Verletzungen erzeugen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass möglichst wenig erzählt werden sollte. Nur sind es meist nicht die relevanten Punkte, über die sich ein Paar tatsächlich austauscht.

Auch das Gegenteil wie das Leugnen oder Ignorieren des Themas macht eine Aufarbeitung schwierig.

Wenn die Wahrheit nur nach und nach herauskommt

Besonders schwierig wird es, wenn eine Affäre nicht ehrlich offengelegt wird.

Wenn weiter geleugnet wird.

Wenn behauptet wird, man sei nur im Gym, bei einer Freundin oder an einem anderen Ort gewesen.

Oder wenn die Affäre parallel weiterhin besteht.

Denn dann erlebt die betrogene Person nicht nur den eigentlichen Vertrauensbruch.

Sie beginnt zusätzlich, an der eigenen Wahrnehmung zu zweifeln.

Das eigene Gefühl sagt:

Da stimmt etwas nicht.

Der Partner oder die Partnerin behauptet gleichzeitig das Gegenteil.

Und genau das kann die Aufarbeitung noch schwieriger machen.

Wir erleben deshalb immer wieder, dass nicht nur die Affäre selbst zum Problem wird, sondern vor allem auch die Lügen. Das immer wieder bewusste und vorsätzliche Lügen.

Viele unserer Paare beschreiben genau das später als einen besonders schmerzhaften Teil:

Nicht nur, dass eine andere Person parallel in die Beziehung gekommen ist.

Sondern dass Dinge geteilt wurden, von denen man dachte, sie seien exklusiv für die eigene Beziehung – und dass man darüber gleichzeitig nicht die Wahrheit erfahren hat.

Wie entsteht eine Affäre überhaupt?

Auch hier gibt es nicht die eine Antwort.

Und trotzdem erleben wir in unserer Arbeit immer wieder, dass Affären nicht damit beginnen, dass jemand aktiv loszieht und sich eine Affäre sucht.

Häufig kennen sich die beiden Personen bereits.

Über die Arbeit.

Über ein Hobby.

Über die Kinder.

Der Austausch wird enger.

Gespräche werden persönlicher.

Es entstehen Gemeinsamkeiten.

Man freut sich darauf, die andere Person wiederzusehen.

Und irgendwann verändert sich etwas.

Es kribbelt.

Die neue Bekanntschaft wird interessant.

Gleichzeitig beginnt vielleicht der Vergleich mit der eigenen Beziehung:

Wie zufrieden bin ich eigentlich noch?

Warum fühlt sich das hier gerade so leicht an?

Und warum denke ich so häufig an diesen anderen Menschen?

Irgendwann wird eine Grenze überschritten.

Genau deshalb ist die entscheidende Frage für uns nicht nur:

Wann fand der erste Kontakt oder Kuss statt?

Sondern:

Wann begann sich die Grenze der Beziehung zu verschieben?

Wann wurden Gespräche persönlicher und privater?

Wann wurden Dinge geteilt, die eigentlich in die eigene Beziehung gehören?

Wann entstand sexuelles oder emotionales Interesse?

Denn Treue beginnt für uns nicht erst dort, wo zwei Menschen miteinander schlafen.

Was hat mir eigentlich gefehlt?

Wenn wir mit der Aufarbeitung weiterkommen, geht es irgendwann um die Frage, was hinter dem Verhalten stand.

Denn wenn vorne das Verhalten steht, liegt dahinter ein Gefühl.

Und hinter diesem Gefühl wiederum ein Bedürfnis.

Genau dieses Bedürfnis kennen viele Menschen selbst noch gar nicht.

Das finden wir häufig erst gemeinsam in unserer Arbeit heraus. Daher arbeiten wir immer mit Einzelterminen und mit Paarterminen parallel in unserer Arbeit.

Vielleicht gab es eine Sehnsucht nach etwas Neuem oder Leichterem.

Vielleicht wurden Bedürfnisse in der eigenen Beziehung nicht mehr gelebt.

Vielleicht wurde etwas über die Affäre erlebt, das vorher lange keinen Raum mehr hatte.

Das alles muss angesehen werden.

Nicht, um eine Affäre zu entschuldigen.

Sondern damit verstanden werden kann, warum diese Grenze überhaupt überschritten wurde.

Denn wenn wir das nicht verstehen, können wir auch kaum beantworten, was zukünftig anders werden muss.

Wer trägt eigentlich die Verantwortung?

Auch hier ist uns eine klare Unterscheidung wichtig.

Die Verantwortung für das Zulassen und Führen einer Affäre trägt die Person, die diese Grenze überschritten hat.

Die Verantwortung für die Dynamik der Beziehung vor der Affäre tragen beide.

Das sind zwei unterschiedliche Ebenen.

Wenn wir uns also anschauen, wie verbunden ein Paar vorher noch war, welche Bedürfnisse nicht ausgesprochen wurden oder was sich in der Beziehung verändert hatte, dann bedeutet das nicht:

Die betrogene Person ist schuld an der Affäre. Nie. Die Verantwortung für die Affäre hat immer der Mensch, der diese auch geführt hat. Die Verantwortung für eine vorab teilweise doch sehr entfernte Ehe, haben immer beide.

Es bedeutet:

Wenn beide sich dafür entscheiden, die Beziehung weiterzuführen, müssen sie sich auch anschauen, welche Beziehung sie vorher miteinander geführt haben.

Denn einfach wieder genau dort weiterzumachen, wo man vor der Affäre aufgehört hat, ist für uns keine wirkliche Lösung. Wir brauchen eine neue Beziehung, nicht die die es vor der Affäre gab. Denn diese hat für eine:n von beiden dazu ausgereicht, um parallel eine Affäre zu führen.

Treue muss aktiv gelebt werden

Genau deshalb sprechen wir von aktiver Treue.

Treue bedeutet für uns nicht nur, keinen Sex mit anderen Menschen zu haben.

Aktive Treue beginnt früher.

Wenn wir bemerken, dass das Interesse an einer anderen Person über das eigentliche Thema des Kontakts hinausgeht.

Wenn Gespräche immer privater werden.

Wenn nach der Handynummer gefragt wird.

Wenn Dinge und Befindlichkeiten geteilt werden, die eigentlich für die eigene Beziehungsperson bestimmt sind.

Wenn Berührungen stattfinden.

Wenn sexuelles Interesse entsteht.

Oder wenn wir uns emotional besonders abgeholt fühlen.

An genau diesen Stellen müssen wir Verantwortung für unsere Beziehung übernehmen.

Manchmal bedeutet aktive Treue dann auch ganz konkret:

„Ich gehe jetzt.“

Bevor eine Grenze endgültig überschritten wird.

Noch besser ist es allerdings, bereits viel früher wahrzunehmen, dass sich ein Kontakt verändert.

Eure Beziehung soll danach nicht einfach wieder so werden wie vorher

Wenn eine Affäre verarbeitet werden kann, kann die Beziehung danach sogar tiefer und verbundener sein als vorher.

Nicht, weil eine Affäre etwas Gutes wäre.

Sondern weil Paare danach häufig Gespräche führen, die sie vorher nie miteinander geführt haben.

Sie sprechen darüber, was ihnen fehlt.

Was sie brauchen.

Welche Sehnsüchte sie haben.

Wo ihre Grenzen liegen.

Und wie sie ihre Beziehung in Zukunft gestalten wollen.

Genau darin liegt für uns die Chance dieser Krise.

Nicht darin, das Geschehene auszublenden.

Sondern darin, hinzusehen.

Zu verstehen.

Und zu verändern, was vorher nicht mehr ausreichend war.

Denn das Ziel ist für uns nicht:

Zurück zur alten Beziehung.

Sondern eine Beziehung zu entwickeln, in der beide wieder emotional verbunden sind und in der Vertrauen durch neue Erfahrungen zurückkommen kann. Doch dies müssen beide lernen wollen.

Eine Affäre muss nicht das Ende eurer Beziehung sein

Aber sie einfach abzuhaken funktioniert meistens genauso wenig.

Wenn Gespräche immer wieder im Kreis laufen und der Schmerz lediglich von links nach rechts gewendet wird, wird das für beide irgendwann unglaublich kräftezehrend.

Genau deshalb braucht eine gute Aufarbeitung Struktur.

Zuerst müssen beide wieder lernen, mit ihren Emotionen umzugehen.

Dann braucht es Klarheit darüber, was passiert ist.

Es braucht die Auseinandersetzung mit dem Warum.

Es braucht Verantwortungsübernahme.

Und es braucht einen ehrlichen Blick darauf, was sich in Zukunft verändern muss.

Denn eine Affäre kann für eine Beziehung überlebbar sein.

Und eine Beziehung kann danach sogar intensiver, vertrauensvoller und liebevoller werden als zuvor.

Aber eben nur, wenn beide bereit sind, hinzusehen und etwas zu verändern.

Wenn ihr gerade an einem Punkt steht, an dem ihr merkt, dass ihr alleine immer wieder in dieselben Gespräche zurückfallt, findet ihr hier alle Informationen zu unserer Begleitung für Paare nach einer Affäre:

https://paartherapeutenpaar.de/aff%C3%A4re

Denn die entscheidende Frage ist nach einer Affäre irgendwann nicht mehr nur:

„Können wir uns wieder vertrauen?“

Sondern auch:

„Was wollen wir beide verändern, damit wir in Zukunft eine andere Beziehung miteinander führen als vorher? Und „Will ich die Verantwortung für meine Affäre voll übernehmen?“

Dann können wir die Beziehung 2.0 miteinander aktiv gestalten und das führt dann meist zu einer Beziehung die emotional tiefer und verbundener wahr als lange Zeit zuvor.


Deine Ina & Dein David




Ina Henning und David Mayer im Gespräch

Begleitung für Paare in der Krise

Ihr müsst das nicht allein lösen.

Ihr müsst das nicht allein lösen.

Ihr müsst das nicht allein lösen.

In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir uns eure Situation an, beantworten eure Fragen und sagen euch ehrlich, was aus unserer Sicht gerade helfen würde. Ihr geht damit keine Verpflichtung ein.

In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir uns eure Situation an, beantworten eure Fragen und sagen euch ehrlich, was aus unserer Sicht gerade helfen würde. Ihr geht damit keine Verpflichtung ein.

In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir uns eure Situation an, beantworten eure Fragen und sagen euch ehrlich, was aus unserer Sicht gerade helfen würde. Ihr geht damit keine Verpflichtung ein.