Paar sitzt einander zugewandt auf einem Sofa

Konflikte

Ihr streitet nicht wegen „Kleinigkeiten“

Ihr streitet nicht wegen „Kleinigkeiten“

Ihr streitet nicht wegen „Kleinigkeiten“

Von Ina Henning & David Mayer

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7 Min Lesezeit

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„Musst du wegen so einer Kleinigkeit immer so ein riesen Fass aufmachen?“

Diesen oder einen ähnlichen Satz hören wir in unserer Arbeit mit Paaren ziemlich häufig. Und das Wort Kleinigkeit finden wir dabei immer besonders spannend.

Denn die gibt es bei Konflikten eigentlich nicht. Nie.

Kein Mensch geht wegen einer Kleinigkeit in einen Konflikt. Vielleicht sieht das Thema, über das ihr gerade streitet, von außen betrachtet vollkommen banal aus. Die offene Spülmaschine. Die Schuhe im Flur. Dass dein Partner fünf Minuten zu spät kommt. Dass du etwas erzählt hast und dein Gegenüber nebenbei aufs Handy geschaut hat.

Aber wenn daraus ein Konflikt entsteht, geht es in der Regel um etwas anderes.

Die Schuhe im Flur sind vielleicht tatsächlich nur Schuhe im Flur. Das Gefühl, mit dem du in diesem Moment in den Konflikt gehst, ist aber niemals eine Kleinigkeit.

Hinter einem Konflikt steckt meist etwas anderes

Wenn wir Paare fragen, worüber sie streiten, bekommen wir zunächst meistens das offensichtliche Thema genannt. Haushalt, Kindererziehung, Pünktlichkeit, Sexualität, Freizeit, Familie, Geld oder das Handy.

Wenn wir in unseren Terminen genauer hinschauen, finden wir darunter etwas anderes.

Vielleicht möchtest du dich gesehen fühlen. Vielleicht fehlt dir Wertschätzung. Vielleicht brauchst du Sicherheit, Nähe, Freiraum, Akzeptanz oder das Gefühl, deinem Partner wirklich wichtig zu sein.

In unserem Buch beschreiben wir Konflikte deshalb als missglückte Bindungsversuche. Denn während wir streiten, versuchen wir häufig noch immer, mit etwas beim anderen anzukommen. Wir wollen, dass unser Partner versteht, warum uns etwas so beschäftigt, warum es wehgetan hat oder warum uns dieses vermeintlich kleine Thema eben nicht egal ist.

Genau deshalb sind wir auch nicht der Meinung, dass Konflikte grundsätzlich etwas Schlechtes sind. Im Gegenteil: Wenn ihr miteinander streitet, versucht ihr häufig noch, verstanden zu werden.

Schwieriger wird es, wenn es irgendwann ganz leise wird. Wenn es mir nämlich vollkommen egal geworden ist, ob du mich noch verstehst, muss ich auch nicht mehr mit dir darüber streiten. Genau diesen Punkt erleben wir in unserer Arbeit als wesentlich problematischer als die bloße Tatsache, dass ein Paar Konflikte hat.

Das eigentliche Problem ist häufig die Art, wie wir streiten und das Ergebnis

Denn obwohl wir im Konflikt verstanden werden wollen, verhalten wir uns häufig so, dass genau das immer unwahrscheinlicher wird.

Wir erklären unsere Position. Dann erklären wir sie noch einmal etwas ausführlicher, weil der andere sie offensichtlich immer noch nicht verstanden hat. Wir argumentieren, rechtfertigen uns und bringen Beispiele an.

Und wenn das nicht funktioniert, holen wir vielleicht noch ein paar ältere Beispiele dazu.

„Das war letzte Woche schon genauso.“

„Nein, war es überhaupt nicht.“

„Doch. Bei deinen Eltern war das genau dasselbe.“

Und BÄM: Plötzlich sprechen wir nicht mehr über eine Situation, sondern über die vergangenen fünf Jahre unserer Beziehung.

Aus einem Thema werden drei, aus drei werden sieben und irgendwann weiß keiner mehr so richtig, womit dieser Streit eigentlich angefangen hat. Dafür haben beide inzwischen ausreichend Beweismaterial gesammelt, warum der jeweils andere das Problem ist.

In unserem Buch vergleichen wir genau diese Art zu streiten mit einer Gerichtsverhandlung. Wir tragen Beweise zusammen, holen alte Vergehen hervor und versuchen nachzuweisen, warum unsere Sicht der Dinge richtig ist.

Nur ist eure Beziehung eben kein Gerichtssaal.

Und selbst wenn einer von euch am Ende gewinnt, habt ihr möglicherweise beide etwas verloren: Verbindung.

Eine Lösung ist häufig nur die Oberfläche

Das klingt zunächst vielleicht merkwürdig, denn natürlich müssen manche Konflikte gelöst werden.

Wenn ihr euch darüber streitet, wer morgens die Kinder bringt, braucht ihr irgendwann eine Antwort darauf. Wenn ihr euch bei der Aufgabenverteilung uneinig seid, müsst ihr eine Regelung finden. Und wenn einer von euch etwas anders möchte als der andere, braucht es vielleicht einen Kompromiss.

Aber die sachliche Lösung eines Konflikts ist häufig nur ein Teil davon.

Viel entscheidender ist die Frage, wie ihr euch nach diesem Gespräch miteinander fühlt.

Habe ich das Gefühl, dass du verstanden hast, warum mir das wichtig war? Hast du mich mit meinen Gefühlen ernst genommen? Habe ich erlebt, dass das, was in mir passiert, für dich von Bedeutung ist?

Oder haben wir zwar eine Lösung gefunden, aber ich sitze danach trotzdem da und denke:

Du hast überhaupt nicht verstanden, worum es mir eigentlich ging.

Genau deshalb reichen Argumentieren, Erklären und Lösungen finden bei emotionalen Themen nicht aus. Verständnis entsteht nicht dadurch, dass wir unsere Sachargumente immer weiter perfektionieren. Es entsteht dann, wenn wir unserem Partner zeigen können, was in uns passiert und welches Bedürfnis hinter unserer Reaktion steckt.

Wir haben Streiten meistens nie gelernt

Und woher sollten wir es auch können?

Die wenigsten Menschen haben irgendwann gelernt, wie man einen Konflikt so führt, dass man sich danach vielleicht sogar besser versteht als vorher.

Stattdessen haben wir zugeschaut.

Wir haben als Kinder erlebt, wie unsere Eltern miteinander gesprochen haben, wenn es schwierig wurde. Vielleicht wurde laut gestritten. Vielleicht zog sich einer zurück. Vielleicht herrschte tagelang schlechte Stimmung. Vielleicht wurden unangenehme Themen möglichst schnell unter den Teppich gekehrt und nach außen trotzdem so getan, als sei alles wunderbar.

Das ist unser erstes Konfliktrepertoire.

Und genau dieses Repertoire bringen wir später häufig mit in unsere eigene Beziehung. Wir haben beobachtet, wie Beziehung funktioniert, und praktizieren vieles davon Jahre später in unserer eigenen Ehe, ohne uns bewusst dafür entschieden zu haben. 

Dann sitzt plötzlich ein erwachsener Mensch vor uns und sagt sinngemäß: Ich hasse Streit. Bei uns zu Hause wurde nie gestritten.

Und manchmal lohnt es sich genau dort genauer hinzuschauen.

Wurde wirklich nicht gestritten? Oder wurden Konflikte einfach nicht ausgesprochen?

Denn auch Schweigen ist eine Art, mit Konflikten umzugehen.

Ihr müsst nicht aufhören zu streiten

Das Ziel kann deshalb nicht sein, dass ihr irgendwann keine Konflikte mehr habt.

Ihr seid zwei unterschiedliche Menschen. Ihr habt unterschiedliche Bedürfnisse, Grenzen, Erfahrungen, Vorstellungen und Erwartungen. Natürlich werdet ihr aneinandergeraten.

Die interessantere Frage lautet:

Wie wollt ihr miteinander streiten?

Könnt ihr bei einem Thema bleiben, statt fünf weitere aufzumachen? Könnt ihr aufhören, eure Beziehung wie eine Gerichtsverhandlung zu führen? Könnt ihr neugierig darauf werden, warum etwas für euren Partner so wichtig ist, auch wenn ihr es selbst überhaupt nicht nachvollziehen könnt?

Und könnt ihr irgendwann hinter der Wut, dem Vorwurf oder der Kritik wieder den Menschen erkennen, der gerade versucht, von euch verstanden zu werden?

Denn genau darum geht es in einem Konflikt.

Nicht darum, nachzuweisen, wer von euch recht hat. Sondern darum, einander nach diesem Konflikt vielleicht ein kleines bisschen besser zu kennen als vorher.

Streiten kann man lernen

Vielleicht habt ihr bisher einfach nie gelernt, wie es anders geht.

Das bedeutet aber nicht, dass ihr für immer so miteinander streiten müsst.

Konflikte sind lernbar. Kommunikation ist lernbar.

Genau das machen wir jeden Tag mit Paaren in unserer Arbeit. Wir schauen uns an, was während eines Konflikts zwischen zwei Menschen passiert, wo ein Gespräch kippt und was eigentlich hinter dem steckt, was beide sagen.

Denn häufig wollen beide am Ende etwas ziemlich Ähnliches: verstanden, ernst genommen und mit den eigenen Gefühlen wichtig genommen werden.

Nur die Art, wie sie versuchen, dorthin zu kommen, führt sie immer weiter voneinander weg.

Genau darum geht es auch in unserem Buch

In unserem Buch „Das Buch, das ihr lesen müsst, wenn ihr ein Paar bleiben wollt“ beschäftigen wir uns deshalb ausführlich mit Kommunikation und Konflikten.

Wir zeigen euch, warum Gespräche an Tiefe verlieren, wie ihr wieder echtes Verständnis füreinander entwickeln könnt, warum Konflikte eskalieren und wie ihr lernen könnt, anders miteinander zu streiten. In Kapitel 6 geht es sogar vollständig darum, Konflikte gemeinsam zu lösen.

Nicht mit dem Ziel, dass ihr euch irgendwann über nichts mehr streitet.

Sondern damit ihr nach einem Konflikt nicht weiter voneinander entfernt seid als vorher.

Und vielleicht irgendwann sagen könnt:

„Ich sehe es zwar immer noch anders als du. Aber jetzt verstehe ich dich.“

Das ist für uns ziemlich viel wert.

Link zu unserem Buch: Das Buch das ihr lesen müsst, wenn ihr ein Paar bleiben wollt

Deine Ina & Dein David

Ina Henning und David Mayer im Gespräch

Begleitung für Paare in der Krise

Ihr müsst das nicht allein lösen.

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In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir uns eure Situation an, beantworten eure Fragen und sagen euch ehrlich, was aus unserer Sicht gerade helfen würde. Ihr geht damit keine Verpflichtung ein.

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