„Aber ich mache doch auch total viel!“
Ein Satz, den wir in unserer Arbeit mit Paaren immer wieder hören. Und häufig stimmt er sogar. Der Partner geht einkaufen, bringt die Kinder zum Sport, räumt die Spülmaschine aus oder erledigt Dinge, um die er gebeten wurde.
Und trotzdem sitzt uns auf der anderen Seite eine Frau gegenüber, die erschöpft, gereizt und irgendwann einfach nur noch wütend ist und sagt:
„Alles muss ich allein machen!“
Spätestens jetzt verstehen beide die Welt nicht mehr. Denn der eine denkt: Das stimmt doch überhaupt nicht. Ich mache doch auch etwas. Und die andere denkt: Ja. Aber ich muss dir eben auch noch sagen, WAS du machen sollst.
Willkommen beim Mental Load.
Mental Load ist nicht einfach nur zu viel Arbeit
Die Brotdose für morgen, die Winterjacke mit dem kaputten Reißverschluss, der Reisepass, der vor dem Urlaub verlängert werden muss, das Geburtstagsgeschenk, der Zahnarzttermin oder die neuen Turnschuhe. All diese Dinge müssen nicht nur irgendwann erledigt werden. Jemand muss überhaupt erst einmal daran denken.
Und genau das ist der entscheidende Unterschied.
Mental Load bedeutet nicht einfach, viele Aufgaben zu haben. Es ist die Last des Drandenkens und das Gefühl, die volle Verantwortung dafür allein auf den Schultern zu tragen. Was muss erledigt werden? Wann muss es passieren? Wer macht es? Was passiert, wenn wir es vergessen? Und was steht eigentlich nächste Woche schon wieder an?
Im Berufsleben würden wir für genau diese Arbeit wahrscheinlich jemanden einstellen und ihm einen ziemlich vernünftigen Jobtitel geben: Projektmanager.
Zu Hause läuft diese Projektleitung häufig einfach so nebenher. Unsichtbar, unbezahlt und oft von niemandem wirklich wahrgenommen.
„Aber ich gehe doch einkaufen!“
Und genau an dieser Stelle sprechen Paare häufig komplett aneinander vorbei. Das Problem ist auch nicht, dass Männer nichts im Haushalt oder mit den Kindern machen. Viele Männer und Väter packen im Familienalltag kräftig mit an.
Das Problem entsteht dort, wo die unsichtbare Projektleitung trotzdem bei einer Person bleibt.
Helfen ist nicht dasselbe wie Verantwortung übernehmen
Genau deshalb stören wir uns an einem kleinen Wort ganz besonders: helfen.
„Ich helfe meiner Frau im Haushalt.“
„Sag mir doch einfach, was ich machen soll.“
Klingt erst einmal ziemlich entgegenkommend. Doch wenn du deinem Partner oder deiner Partnerin „hilfst“, wem gehört die Aufgabe dann eigentlich?
Immer noch dem anderen.
Echte Entlastung entsteht deshalb nicht dadurch, dass eine Person Managerin bleibt und die Aufgaben nur möglichst gerecht an den anderen delegiert. Denn dann muss sie weiterhin sehen, planen, erinnern, erklären und im Zweifel kontrollieren. Sie bleibt verantwortlich, während der andere auf seinen nächsten Arbeitsauftrag wartet.
Und genau das ist eben noch keine Partnerschaft auf Augenhöhe.
„Sag mir einfach, was ich machen soll“ ist eben nicht die Lösung
In unserem Buch erzählen wir von unterschiedlichen Fallbeispielen in diesem Themenbereich, um den Mental Load greifbar zu machen. Denn das Ziel ist es, dieses komplexe Themen dadurch für alle im Familienkonstrukt verständlich zu machen, damit sich daraus eine Haltungsänderung und anschließend eine Verhaltensänderung auf Paarebene einstellt.
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Wenn aus dem Partner irgendwann noch ein weiteres Kind wird
Wenn diese Dynamik über Jahre bestehen bleibt, wird eine Person immer mehr zum Manager des gemeinsamen Lebens. Sie denkt, plant, erinnert und delegiert. Die andere Person wird gleichzeitig immer mehr zu jemandem, der auf Anweisungen wartet.
Genau daraus kann eine Dynamik entstehen, die wir in unserer Arbeit mit Paaren immer wieder erleben: Eine Person fühlt sich irgendwann nicht mehr wie der Partner oder die Partnerin, sondern wie die Mutter oder der Vater des anderen.
Und mal ganz im Ernst: Wie sexy findest du einen Menschen, dem du morgens noch erklären musstest, was er einkaufen soll, den du mittags an den Zahnarzttermin erinnert hast und dem du abends hinterherräumst?
Diese fehlende Augenhöhe bleibt nicht einfach beim Thema Haushalt. Sie wirkt sich auf die Beziehung aus. In unserem Buch beschreiben wir, dass ein Miteinander, in dem beide mitdenken, handeln und Verantwortung übernehmen, wieder Interesse am anderen wecken und auch die Lust aufeinander beflügeln kann. Fehlende Erotik auf Paarebene, ist auch in diesem Themenbereich verwurzelt.
Es geht nicht darum, alles exakt 50:50 aufzuteilen
Natürlich wird es in einer Beziehung Phasen geben, in denen einer mehr trägt als der andere. Wenn jemand krank ist, beruflich gerade an seine Grenzen kommt oder aus anderen Gründen weniger geben kann, kann der andere eine Zeit lang mehr übernehmen. Das gehört zu einer lebendigen Beziehung dazu.
Problematisch wird es, wenn daraus ein Dauerzustand wird. Wenn einer dauerhaft derjenige ist, der denkt, organisiert und Verantwortung übernimmt, während der andere sich daran gewöhnt hat, dass schon jemand Bescheid sagen wird.
Verantwortung in einer Beziehung bedeutet für uns deshalb nicht, jede einzelne Aufgabe mathematisch durch zwei zu teilen. Es bedeutet, dass sich beide für das gemeinsame Leben verantwortlich fühlen: für den Haushalt, für die Kinder, für die Familie und eben auch für die Beziehung.
Macht sichtbar, was bisher nur einer von euch im Kopf hat
Genau da beginnt Veränderung. Die unsichtbare Liste muss erst einmal sichtbar werden.
In unserem Buch nutzen wir dafür das von uns entwickelte Mental-Load-Café. Dieses erklären wir nicht nur, sondern zeigen auf, wie es auch bei euch am Esstisch gelingen kann. Denn diese Verhaltensweisen sind von beiden Partnern gleichermaßen hausgemacht und können auch wieder anders gemacht werden, aber nur wenn man weiß wie das geht.
Mitdenken ist der eigentliche Schlüssel
Vielleicht ist das deshalb die wichtigste Frage, die ihr euch nach diesem Artikel stellen könnt:
Wer denkt bei uns eigentlich an all die Dinge, bevor sie jemand erledigt?
Wer merkt, dass die Schuhe zu klein geworden sind? Wer weiß, wann der nächste Termin ansteht? Wer überlegt, was noch eingekauft werden muss? Wer behält im Kopf, was die Kinder brauchen? Und wer übernimmt etwas einfach, ohne vorher zu fragen, wie es gemacht werden soll?
Und genau das ist der Unterschied.
Noch viel mehr dazu findet ihr in unserem Buch
Mental Load ist deshalb auch ein eigenes Thema in unserem Buch „Das Buch, das ihr lesen müsst, wenn ihr ein Paar bleiben wollt“.
In Kapitel 8 zeigen wir euch ausführlich, wie Stress und Mental Load eure Beziehung beeinflussen, wie ihr die unsichtbare Last überhaupt erst sichtbar macht und wie ihr es schafft, Verantwortung wirklich gemeinsam zu tragen. Dort findet ihr auch unser eigens entwickeltes Mental-Load-Café, weitere Beispiele aus unserer Arbeit mit Paaren und konkrete Tools, die ihr direkt in eurem Alltag ausprobieren könnt.
Denn unser Ziel ist nicht, dass einer von euch lernt, noch besser zu organisieren.
Unser Ziel ist, dass ihr euer gemeinsames Leben auch wirklich gemeinsam tragt.
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Deine Ina & Dein David


